Jeder, der weniger als eine Million Euro Eigenkapital hat, ist ein Zinssklave,

auch wenn er sich selbst nie verschuldet hat. Die durch das „Geld aus dem Nichts“
überhöhten Zinsen verbergen sich in allen Preisen.

Der Zinsanteil an den Lebenshaltungskosten liegt inzwischen bei rund 40 Prozent. Diese
Zinslast verbirgt sich vor allem in der Miete, aber auch in den Steuern und Abgaben. Sie
erhöht auch alle Preise, da jeder, der an der Wertschöpfungskette beteiligt ist, seine
Zinskosten in den Verkaufspreis einfließen lassen muss.

Eine durchschnittliche Familie, die etwa 25.000 Euro pro Jahr für ihren Lebensunterhalt
ausgibt, bezahlt bei einem Zinsanteil von ca. 40 Prozent rund 10.000 Euro versteckte
Zinsen. Ironischerweise sind es dann ausgerechnet diese Menschen, die glauben, vom
Zinssystem zu profitieren, wenn sie beispielsweise 100.000 Euro auf einem Sparbuch
haben und sich am Ende des Jahres über die offensichtlich erhaltenen Zinsen freuen. Die
weniger offensichtlich bezahlten (weil in den Preisen versteckten) Zinsen lassen die
meisten Menschen dabei leider außer Acht.

Wenn schon eine durchschnittliche, schuldenfreie Familie pro Jahr 10.000 Euro Zinsen
bezahlen muss, ist es nicht verwunderlich, dass immer mehr Menschen Hartz IV und
andere finanzielle Zuwendungen vom Staat, also vom Steuerzahler benötigen, wenn sie es
nicht schaffen, diese Zinslast aus eigener Kraft aufzubringen. Das Finanzamt – als
Handlanger der Banken – nimmt dann den Steuerzahlern das Geld ab, um einen Teil davon
vorübergehend an Bedürftige weiterzuleiten. Von dort fließen aber 40 Prozent als Tribut in
Form von verdeckten Zinszahlungen an das Großkapital. Als Steuerzahler und als
Bedürftiger darf man sich bei diesem Spielchen keinesfalls nach dem Motto „Teile und
herrsche!“ gegeneinander aufhetzen lassen. Beide Gruppen sitzen im selben Boot. Ihre
Gegner sind die Banken und Politiker, die im Auftrag der Geldmacht, Vermögen von Fleißig
nach Reich verteilen.

Erst ab einem rentabel angelegten Eigenkapital in Höhe von etwa einer Million Euro erhält
man nach Abzug von Steuern und Inflation einen jährlichen Kapitalertrag, der in der
gleichen Größenordnung liegt wie die jährliche (in den Preisen versteckte) Zinsbelastung.
Erst ab dieser Schwelle hört man auf, unterm Strich Zinsen zu bezahlen. Wer darüber
hinaus über deutlich mehr Kapital verfügt, wird vom Netto-Zinszahler zum Netto-
Zinsempfänger – nur leider auf Kosten seiner Mitmenschen.

Oberhalb der kritischen Kapitalmasse lebt es sich bedeutend leichter. Je weiter man aber
unterhalb dieser Schwelle lebt, desto mehr Zinsen muss man für andere erwirtschaften,
auch wenn man sich selbst nie verschuldet hat. Dies ist eine versteckte Form dessen, was
es in allen menschlichen Kulturen schon immer gab: Sklaverei. Und das Erwirtschaften der
Zinsen durch Arbeit wird systembedingt immer schwieriger.

Wer möchte nicht gerne „sein Geld für sich arbeiten lassen“? Aber Geld kann gar nicht
arbeiten. Es sind immer Menschen, die für die Zinsen arbeiten. Jeder, der sein Geld für sich
arbeiten lässt, lässt in Wirklichkeit andere Menschen für sich arbeiten und zwar nicht nur
diejenigen, die sich selbst verschuldet haben, sondern alle, die zu wenig Kapital besitzen.
Das ist so in unser Geldsystem mit Zwangsverschuldung und Zinseszinseffekt eingebaut.
Um Geld zu verdienen, braucht man vor allem eines: Geld. Es ist wesentlich einfacher, eine
Milliarde zu verdoppeln, als durch ehrliche Arbeit das eigene Häuschen abzubezahlen. Wer
eine Milliarde hat, kann sich inflationsbereinigt allein von den Zinsen jedes Jahr 50 Häuser
kaufen, ohne dafür auch nur einen Finger krumm zu machen und ohne sein Geld dabei zu
verbrauchen. Wer jedoch ohne Geld auf die Welt kommt, läuft sein Leben lang im
Hamsterrad. Und vor lauter „Stress“ in unserer „schnelllebigen Zeit“ hat er nicht einmal die
Zeit, um darüber nachzudenken.


Quelle: "Steuerboykott, Rico Albrecht"

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